Derby in Rom – und ich bin nicht dabei :-(

6 12 2009

Heute ist es soweit. Im Olympiastadion, rund 7 Kilometer entfernt von meiner Wohnung steigt heute Abend um 21h das Lokalderby zwischen Lazio Rom und dem AS Rom. Und ich bin nicht mit dabei. Leider. Die Gründe dafür sind ebenso vielfältig wie unglücklich: Zum Einen kosten die Tickets mindestens 55 Euro, tendenziell noch mehr. Ein Hindernis, jedoch kein Grund zur Abschreckung. Allerdings hat David, mit dem ich ursprünglich ins Stadion wollte, dieses Wochenende Besuch. Tja, und da (leider) nicht jeder den Reiz dieses Spiels verspürt und daher auch nicht bereit ist, einen derartig hohen Eintrittspreis zu bezahlen, hat sich David dazu entschieden, dem Spiel gemeinsam mit seinem Besuch fernzubleiben. Und alleine wollte ich mich dann auch nicht in den Hexenkessel begeben. Allerdings – um es gezwungenermaßen positiv zu betrachten – „spare“ ich so 55 Euro und riskiere auch nicht meine körperliche Unversehrtheit. Man hört ja dann doch die ein oder andere Geschichte über unschöne Dinge, die sich alljährlich am Rande des Spielfeldes und im Umfeld des Stadions abspielen. An dieser Stelle nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Wikipedia-Artikel über die Fans von Lazio Rom:

Teile der Anhängerschaft von Lazio Rom sind sehr gewaltbereit und gleichermaßen rassistisch eingestellt. Bei Heimspielen, insbesondere Lokalderbys gegen den AS Rom, kam es in der Vergangenheit schon mehrfach zu schweren gewalttätigen Auseinandersetzungen. Lazio wurde vom italienischen Verband deswegen schon des Öfteren mit Platzsperren oder Spielen unter Ausschluss der Öffentlichkeit bestraft. Ein weiteres Problem stellt die Ultragruppierung Irriducibili Lazio dar, die sich offen zum Faschismus bekennt und dementsprechend rassistisch und antisemitisch agiert. So waren bei Heimspielen oft Flaggen und Fahnen mit dem Hakenkreuz oder anderen faschistischen Symbolen zu sehen.

Und nun eine eigene Anekdote zu den Lazio-Fans: Beim Derby 2001 präsentierten die Lazio-Anhänger in der Fankurve ein Transparent, auf dem das Team des AS Rom als „Negermannschaft“ bezeichnet wurde (s. Foto; der italienische Verband sanktionierte dieses Verhalten mit einer Platzsperre von lediglich einem Spiel). Zudem kommt es immer wieder vor, dass Lazio-Spieler nach einem Torerfolg mit dem Hitler-Gruß vor den eigenen Fans salutieren. Und auch hier greift der Verband nicht durch, denn häufig werden derlei Aktionen nur mit Geldstrafen geahndet. Traurig, aber wahr.

Auf der anderen Seite ist es natürlich auch gewissermaßen fahrlässig, auf der sicheren Couch zu sitzen, denn wer weiß, ob nicht irgendein Gestörter mit „meinem“ Ticket im Stadio für Unruhe sorgt. Achja, ich merke jetzt schon, wie ich mich für den Rest meines Lebens (hin und wieder) ärgern werde, nicht Teil dieses Spektakels gewesen zu sein.





Generalaudienz bei „Papa Ratzi“

2 12 2009

Ich hatte nun schon wiederholt bei „Bene“ angerufen, um ihn auf einen Kaffee einzuladen. Da sein Papamobil in den Straßen Roms jedoch sicherlich für ziemliches Aufsehen gesorgt hätte, ließ sein Sekretär mir mitteilen, dass er leider nicht kommen könne, ich allerdings gerne im Vatikan vorbeischauen könne. Am besten würde dem Papst ein Besuch am Mittwoch gegen 10.30h passen. Wenn auch etwas widerwillig ob der frühen Morgenstunde habe ich mich also heute gemeinsam mit ein paar anderen Deutschen auf den Weg zum Petersplatz begeben – und war doch ziemlich überrascht, als dort schon einige hundert Leute auf den Stühlen Stellung bezogen hatten. Eine gemütliche Unterhaltung mit dem Kirchenoberhaupt hatte ich mir dann doch etwas anders vorgestellt – erst recht, als mir langsam dämmerte, dass mein Sitzplatz in der 70. Reihe nicht vorübergehend, sondern endgültig ist (die Jungs von der Schweizer Garde ließen sich auch nicht bequatschen). So saß ich also in der wunderbaren Morgensonne auf dem Petersplatz, geschätzte 120 Meter Luftlinie vom Papst entfernt – Kaffee gab es leider nicht. Während ich also die Generalaudienz mit gemischten Gefühlen verfolgte, konnten sich andere um mich herum vor Ergiffenheit kaum auf den Stühlen halten. Erst Recht als Papst Benedikt in seinem futuristischen Papamobil die Szenerie betrat und ein paar Runden durch die Menschenmassen drehte, brandete der Applaus über. Und auch wenn ich mit der (katholischen) Kirche im Grunde keinen gemeinsamen Nenner finde (was nicht nur an mir liegt) – eine besondere Atmosphäre ist es dann doch, wenn man mitten in einer Menge gläubiger Menschen aus allen Erdteilen steht, die eine Handbewegung ihres geistigen Oberhauptes wie die Ankunft des Heilands frenetisch bejubeln.





Ein (erster) Rundgang durch die vatikanischen Museen

30 11 2009

Es ist schon eigenartig. Rein rechnerisch wurde gerade erst die zweite Halbzeit meines Rom-Aufenthaltes angepfiffen, dennoch habe ich mittlerweile des Öfteren den Eindruck, dass ich mich schon in der Nachspielzeit befinde und mir die Zeit unaufhaltsam durch die Finger rinnt. Daher habe ich mich am Freitag dazu durchgerungen, mich erstmals in die vatikanischen Museen zu begeben um mir gewissermaßen einen Überblick zu verschaffen – alles andere wäre in Anbetracht der Ausmaße utopisch. Der Rundgang durch die unterschiedlichsten Kunstsammlungen (Ägypten, griechische und römische Antike, frühchristliche und mittelalterliche Kunst, Kunst der Renaissance und zeitgenössische Werke,…) führt einen auf mehr als sieben Kilometern durch rund 1300 Räume (wobei Räume in diesem Zusammenhang häufig eher als Hallen bezeichnet werden müssten). Kurz und knapp: Es ist einfach gigantisch groß und es gibt unglaublich viel zu sehen. Nicht nur, dass jeder Ausstellungsraum mit Bildern, Büsten und Statuen überfrachtet ist, zusätzlich sind auch noch viele der Räume eigene Kunstwerke: Riesige Decken- und Wandgemälde, verzierte Säulen und überdimensionierte Mosaike auf den Fußböden. Zudem war es spannend, mal einen Blick in das Innere des Vatikans werfen zu können: Auf rostbraune bzw. rostrote Gebäude, gepflegte Grünanlagen mit Orangenbäumen und einladende Parks.

Die nachlassenden Touristenströme machen sich zum Glück auch (bzw. vor allem) in den vatikanischen Museen bemerkbar. Wo sonst teilweise kilometerlange Menschenschlangen auf Einlass warten konnte ich nach dem obligatorischen Sicherheitscheck mühelos direkt bis zur Kasse vordringen. Und auch innerhalb der Museen (mit Ausnahme der Sixtinischen Kapelle) von Hektik keine Spur. Dem ein oder anderen Besucher war zwar anzumerken, dass er einen straffen Zeitplan einzuhalten hatte, aber das konnte mir ja egal sein. In solchen Momenten kristallisieren sich dann die Vorzüge eines längeren Aufenthaltes glasklar heraus. Jedenfalls konnte ich ganz entspannt meine Runde durch die verschiedenen Ausstellungen drehen (allerdings glaube ich im Nachhinein, dass ich irgendwo falsch abgebogen bin und eine „Abkürzung“ genommen habe). Zudem hatte ich auch mit dem Wetter richtig Glück: Frühlingshafte Temperaturen und strahlender Sonnenschein ließen auch ein kurzes Verweilen in den drei Innenhöfen zu.

Allerdings kann ich auch mit drei Tagen Abstand noch nicht wirklich sagen, welche Werke mich am meisten beeindruckt haben. Der wohl berühmteste Teil der vatikanischen Museen ist sicherlich die Sixtinische Kapelle bzw. deren Deckengemälde von Michelangelo. Und das sicherlich nicht zu Unrecht, denn allein die Größe macht es einzigartig. Und wenn man sich dann noch überlegt, wie man jahrelang (insgesamt vier) in schwindelerregender Höhe mit Blick zur Decke arbeiten kann, ohne den Blick für die Proportionen zu verlieren, wird die Leistung schlichtweg übermenschlich. Dennoch war ich insofern ein bisschen enttäuscht, als dass es in der Kapelle sehr dunkel ist und die Farben nicht sonderlich kräftig sind. Zudem ist die Decke sehr hoch, so dass man von den Ausmaßen nicht unbedingt erschlagen wird (allerdings kann das auch darauf zurückzuführen sein, dass ich vorher bereits fünf Stunden lang riesige Wandteppiche und Fresken bestaunt habe). Mindestens genauso beeindruckend wie die Deckenfresken der Sixtinischen Kapelle fand ich die „Galerie der Landkarten“, ein langer hoher Schlauch, dessen Wände nahezu lückenlos mit vierzig Landkarten bemalt sind. Die Landkarten sind jeweils circa fünf Meter breit und zweieinhalb Meter groß. Die gewölbte Decke ist ebenfalls vollständig bemalt und der Boden mit verschiedenen Marmorarten verziert. Irgendwo mussten die Einnahmen aus den Ablassbriefen ja bleiben.

Leider sind die Fotos nicht perfekt belichtet – es ist wirklich ziemlich dunkel in den Museen, sodass eine kleine (und zudem etwas ältere) Kompaktkamera da schon an ihre Grenzen stößt… Und in der Sixtinischen Kapelle ist das Fotografieren gänzlich untersagt…





DSL und Flatrate in Rom

24 11 2009

Kaum zu fassen, aber wahr: Seit Samstag haben wir in der Wohnung eine DSL-Flatrate! Vorbei sind die Zeiten, in denen jede Viertelstunde Internetnutzung mühselig dokumentiert werden musste, um am Monatsende nicht ins Minus zu rutschen. Vorbei sind die Zeiten, in denen schon einfaches surfen zur Qual wurde, da der UMTS-Stick mit maximal 20KB/s arbeitete. Endlich kann störungsfrei telefoniert werden und auch Updates können nun auch wieder durchgeführt werden. Es beginnt also gewissermaßen ein neues Zeitalter ;-)





Tour durch das antike Rom

24 11 2009

Bis zum vergangenen Freitag habe ich einen Großteil der antiken Bauten in Rom lediglich von außen bestaunt – die teilweise horrenden Eintrittspreise haben doch einen gewissen Abschreckungseffekt. Am Freitag stand jedoch eine Führung durch das Forum Romanum auf dem Programm (und da die Eintrittskarte an zwei aufeinanderfolgenden Tagen gültig ist und einen Besuch des Kolosseums mit einschließt habe ich diesen am Samstag gemeinsam mit David nachgeschoben).

Aber der Reihe nach. Bei strahlendem Sonnenschein und gefühlten 25°C (das Wetter ist hier im Moment eher frühlingshaft als winterlich) haben wir uns das Forum Romanum unterhalb des Palatins unter Führung von Karo angesehen, die u.a. antike Geschichte studiert und sich daher bestens auskennt. Das Forum war früher das Zentrum des politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und religiösen Lebens und spiegelt die Geschichte Roms und des römischen Reiches zwischen 600 v. Chr. und 600 n. Chr. wieder. Geographisch liegt das Forum Romanum zwischen dem Palatin und dem  Kapitol. Bis zum 6. Jahrhundert v. Chr. befand sich in diesem Tal eine sumpfige Ebene, die lediglich als Begräbnisstätte diente. Erst die Errichtung der „Cloaca Maxima“ (antikes Kanalsystem) wurde der Sumpf trocken gelegt und somit bebaubar. Das erste bedeutsame Bauwerk war der „Tempel des Saturn“ (Gott des Ackerbaus), der 490 v. Chr. errichtet wurde. Das letzte antike Bauwerk ist die sogenannte „Phokas-Säule“, die 608 n. Chr. gebaut wurde (Dank Phokas gibt es heute noch das Pantheon, denn er war es, der Papst Bonifatius IV das Pantheon schenkte, welcher es im Jahre 609 als Kirche weihte – und so dafür sorgte, dass der Bau bis heute erhalten blieb).

Glücklicherweise hatten wir mit Karo eine kompetente Führerin, denn für den „ungeübten“ Betrachter (wie mich) liegen im Forum Romanum erst einmal hauptsächlich einzelne Steine und kaputte Säulen. Es bedarf schon einiger Phantasie, sich vorzustellen, wie es dort einmal ausgesehen haben muss. Dennoch ist es faszinierend, wenn man auf einzelne Teile stößt, denen man ihre rund 2000 Jahre alte Geschichte scheinbar ansehen kann. So ist beispielsweise der „Tempel des Romulus“ durch eine Bronzetür verschlossen, deren Schloss angeblich immer noch funktioniert. Und heutzutage schafft man es kaum, einen Bausatz für einen Fertighaus so aufzubauen, dass es nicht nach zwei Jahren die ersten Wasser- und Frostschäden gibt…

Komischerweise sind die vermeintlich aufwendigsten und fragilsten Bauten am besten erhalten: die Triumphbögen. Auf dem Gelände des Forum Romanum finden sich deren zwei, zum Einen der „Triumphbogen des Septimius Severus“, zum Anderen der „Titusbogen“, der etwas erhöht platziert ist und somit auch vom Kolosseum aus sichtbar ist (der Titusbogen war im Übrigen das Vorbild für den „Arc de Triomphe“ in Paris). Ursprünglich war der Bogen aus Marmor, jedoch wurde er im Mittelalter in einer Festung integriert, sodass heute beide Seiten vollkommen unterschiedlich aussehen (vgl. Fotos). Hier nun ein paar Eindrücke…

Am Samstagmittag ging es dann weiter, ab ins Kolosseum. Für mich, der seine Vorkenntnisse über das Römische Reich und seine Kaiser nahezu ausschließlich aus Asterix & Obelix Filmen hat, ist eine (wenn auch sehr kleine) Welt zusammengebrochen, als ich erfahren habe, dass Julius Caesar niemals im Kolosseum gewesen ist. Der Grund: Caesar lebte von 100 v.Chr. bis 44 v.Chr., das Kolosseum wurde jedoch erst 80 n. Chr. fertiggestellt. Das nehme ich René Goscinny und Albert Uderzo wirklich Übel… Aber abgesehen von diesem ersten Schock war es wirklich beeindruckend. Zum Einen ist das Kolosseum von innen wesentlich größer, als man vermuten würde, wenn man eine Runde um das Bauwerk dreht. Zum Anderen bekommt man einen Eindruck davon, wie steil die Tribünen damals waren. Die Stimmung muss gigantisch gewesen sein. Die eigentliche Arena ist heute nicht mehr wirklich zu sehen, da diese vollständig unterkellert war und im Laufe der Zeit eingestürzt ist. Dafür hat man jedoch freie Sicht auf das unterirdische Labyrinth, in denen die Gladiatoren und Tiere gefangen gehalten wurden. Zudem sind – wenn auch nur rudimentär – die Hebekonstruktionen zu erkennen, mit deren Hilfe die Tiere auf Plattformen durch den Boden in die Arena gehievt wurden. Man mag sich gar nicht vorstellen, was die Jungs damals mit den technischen Möglichkeiten von heute auf die Beine gestellt hätten…





Wat fott es es fott

18 11 2009

So, nun ist mein kleines Intermezzo in Köln auch schon wieder vorüber, denn seit heute Mittag bin ich wieder in Rom. Wie angekündigt nun noch ein kleiner Rückblick auf die sieben Tage in Deutschland.

Donnerstag, 12.11.09

Am Donnerstagabend haben wir uns von Studenten der Universität Köln kulinarisch verwöhnen lassen. Einmal im Jahr kochen dort nämlich Studierende für Studierende – und zwar Gerichte und Spezialitäten aus aller Herren Länder. Bulgarischer Salat, sehr besonders schmeckende Bananen aus Ghana, Suppen aus China und Bratkartoffeln mit Rührei und Sauergurke aus Schweden. Und das sind nur Einige der angebotenen Spezialitäten. Für schlappe fünf Euro bekommt man die Fahrkarte ins Schlaraffenland (All-you-can-eat) . Leider ist mein Magenvolumen nicht ausreichend gewesen, um alle Gerichte probieren zu können. Aber daraus ergibt sich nur ein logischer Schluss: Nächstes Jahr muss ich dort wohl wieder hin…

Freitag, 13.11.09

Plastinierte Menschen, Tiere und Organe. Hört sich zunächst ein wenig ekelig an, ist aber in Wirklichkeit total spannend. Und zu sehen gibt es das alles in der Ausstellung „Körperwelten“, die von Prof. Gunther von Hagens initiiert wurde und momentan in Köln zu sehen ist. Obwohl Janina und ich beide bereits vor etlichen Jahren in Berlin bzw. Oberhausen als Ausstellungsbesucher die Körperwelten erkundet haben, sind wir am Freitagnachmittag erneut in das Innenleben von Mensch und Tier abgetaucht. Angewidert von Raucherlungen und Leberschäden, fasziniert von der Farbe und Komplexität des Blutgefäßsystems. Zu unserer Enttäuschung mussten wir jedoch feststellen, dass sehr viele Plastinate nicht den Weg nach Köln gefunden haben. So fehlten z.B. der Gorilla (der eigentlich seit 2009 „neu im Programm“ ist) oder die aus drei Personen bestehende Pokerrunde (bekannt aus dem James Bond-Film „Casino Royale“). Gewissermaßen als Entschädigung sollte dann wohl die Darstellung des Liebesaktes dienen, die seit Neuestem in einem abgetrennten Raum zu sehen ist. Mich hat jedoch weniger das eigentliche Plastinat beeindruckt, als vielmehr der Begleittext: Bereits zu Beginn der 1990er Jahre haben sich Paare für wissenschaftliche Zwecke zum Geschlechtsverkehr in einen Computertomographen sperren lassen. Da kann ich nur sagen: Respekt! Ich habe einmal (wohlgemerkt alleine) in einer solchen Röhre gelegen und muss sagen, dass ich mich alleine schon ziemlich eingeengt gefühlt habe. Mein persönliches Ausstellungshighlight war eine Giraffe, deren Halswirbel wirklich verdammt groß sind und deren Herz rund 10 Kilo wiegt und so groß ist, wie ein großer Sack Kartoffeln.

Samstag, 14.11.09

Am Samstag haben wir mit Janinas Mitbewohnerin und ihrem Freund Sushi gemacht und Doppelkopf gespielt. Der Ein oder andere mag sich fragen, wie zwei Aktivitäten einen ganzen Tag ausfüllen können, aber das ist rasch erklärt: Die Zubereitung von Sushi dauert einfach verdammt lange. Zunächst wird der Reis Ewigkeiten gewaschen, gekocht, gewürzt, gefächert und abgekühlt. Dann müssen alle Zutaten für die Füllung (Avocado, Möhre, Gurke, Surimi, Lachs, Thunfisch,…) fein säuberlich geschnitten werden. Und als krönender Abschluss folgt das Einrollen von Reis und Füllung in den Seetang (zumindest im Falle von Maki-Sushi). Alles in Allem ein zeitaufwendiges Unterfangen, aber der Genuss hinterher entschädigt für Einiges. Nachdem wir uns also kugelrund gegessen hatten wurden die Karten gezückt, um  bis in die Morgenstunden DoKo zu kloppen.

Sonntag, 15.11.09

Ausschlafen, ausspannen und Kaffee trinken. Ich gebe zu, dass klingt nicht nach einem Knochenjob, aber ich habe von höchster Stelle erfahren, dass man am siebten Tag der Woche auch mal ruhen kann.

Montag, 16.11.09

Für mich ging die Woche im Grunde genauso los, wie die Letzte aufgehört hatte: Ganz entspannt. Janina musste allerdings für die Uni arbeiten, sodass ich eine Menge Zeit hatte, mal wieder die Vorzüge einer DSL-Flatrate kennenzulernen (an dieser Stelle verweise ich darauf, dass nahezu jeder dieser Beiträge in mühsamer Handarbeit und via UMTS-Stick mit unterirdischer Geschwindigkeit entsteht).

Dienstag, 17.11.09

Nach nahezu viereinhalb Monaten ohne deutsche Vorlesung wurde es mal wieder Zeit für eine Uni-Veranstaltung, bei der man (zumindest sprachlich) alles versteht. Daher bin ich mit Janina zusammen zu einer Linguistik-Vorlesung gegangen. Thema: „Didaktik des Satzlesens“. Es ist schon abgefahren, wie man die Sprache zerpflücken kann. So habe ich beispielsweise gelernt, dass die Unterscheidung von groß- und kleingeschriebenen Wörtern in Deutschland ein echter Segen ist, da nur diese orthographische Feinheit ein schnelles und zielgerichtetes Lesen ermöglicht, weil „nominale Gruppen“ so schneller erkannt werden. Und dieser Vorteil ist wesentlich größer als eine mögliche Vereinfachung des Schreibens im Falle einer „gemäßigten Kleinschreibung“ (bei der mit Ausnahme von Satzanfängen und Eigennamen alles kleingeschrieben werden soll, so wie beispielsweise im Englischen).

Zum Abschluss meines Deutschland-Aufenthaltes haben wir uns abends noch ein Konzert von Newton Faulkner im „Luxor“ angesehen. Nun ist mein musikalischer Horizont leider ein bisschen beschränkt, sodass ich mein Urteil leider nicht wirklich begründen kann. Aber ich glaube, dass ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehne, wenn ich sage, dass Newton Faulkner ein wirklich sympathischer Gitarrenvirtuose und begnadeter Sänger ist. Der Typ ist 24 Jahre alt, kommt aus Großbritannien und stellt unglaubliche Dinge mit seinen Gitarren an. So verzichtet er beispielsweise auf eine Band und ersetzt das Schlagzeug durch entsprechendes Klopfen, Hämmern, Kratzen und Schaben auf seinem Instrument. Und wenn das nicht reicht spielt er auf einem selbst konstruierten Gerät mit den Füßen eine Art Orgel (netterweise werden seine Fußbewegungen im Hintergrund auf eine Leinwand projiziert). Darüber hinaus ist er auch ein humorvoller Entertainer, der sofort den Draht zum Publikum findet. Ein Konzertbesuch lohnt sich auf jeden Fall!

Hier geht es zum Youtube-Channel von Newton Faulkner (Hörproben), und hier geht es zu seiner offiziellen Internetseite.

Mittwoch, 18.11.09

Um sieben Uhr aufstehen, um Viertel nach acht in die S-Bahn, dann in den Regionalexpress, Check-In und um 10.15h mit dem Flieger Richtung Süden. So kurz und knapp können meine letzten Stunden in Good Old Germany beschrieben werden. Und um ehrlich zu sein habe ich im Zustand hoffnungsloser Übermüdung auch nicht vielmehr mitbekommen.

Tja, das war es dann auch schon. Damit ist das Kapitel Heimatbesuch bis Weihnachten auch erst einmal abgeschlossen. Auch irgendwie ein bisschen schade.





Von Rom ins Rheinland (und zurück)

15 11 2009

Der Kölner Dom bei NachtSeit Donnerstagnachmittag bin ich wieder in Deutschland – vorerst. Nach mehr als zweieinhalb Monaten in Rom habe ich erstmals wieder deutschen Boden betreten – und das ganze ohne Kulturschock: Ich spreche immer noch akzentfrei Deutsch, lediglich die Existenz von Pfandflaschen und das Fehlen der Motorroller machen mir etwas zu schaffen. Aber heute tut das Wetter hier in Köln alles, damit ich mich wieder ganz wie zu hause fühle: Grau, bewölkt und regnerisch. Am Freitag haben wir (Janina und ich) uns die Ausstellung „Körperwelten“ hier in Köln angesehen und ich habe endlich mal wieder eine leckere Currywurst gegessen, der gestrige Tag stand ganz im Zeichen von „Sushi“ und wurde mit einem spaßigen Doppelkopfabend mit dem ein oder anderen Kölsch perfekt abgerundet. Am Dienstagabend werden wir uns dann noch ein Konzert von Newton Faulkner ansehen, und am Mittwochmorgen geht es dann auch schon wieder zurück in meine derzeitige italienische Wahlheimat. Und von dort aus werde ich dann – ganz in Ruhe – noch ein bisschen detaillierter über meinen Köln-Trip berichten. Bis dahin sage ich: Machet jut!





Es ist einfach nur eine Tragödie…

11 11 2009

Fassungslosigkeit – Entsetzen – Trauer. Es ist müßig und anmaßend, sich über die Motive eines Freitodes Gedanken zu machen. Und dennoch laufen die scheinbar zusammenhangslosen, unklaren und chaotischen Gedanken bei der Frage nach dem „Warum?“ zusammen.

Es ist einfach unendlich traurig zu erfahren, wie ein intelligenter, überaus sympathischer und sportlich herausragender junger Familienvater seine schwere Krankheit aus Angst vor der Öffentlichkeit verheimlicht und letztendlich von ihr bezwungen wird.

Robert Enke (1977-2009)





Die erste Prüfung steht vor der Tür

9 11 2009

PrüfungsstressJetzt ist Schluss mit lustig: Nach 73 Tagen Müßiggang in Rom wartet der Ernst des Lebens auf mich. Am Mittwochvormittag werde ich erstmals von einer italienischen Universität herausgefordert. „Economia dell’ambiente“ (Umweltökonomie) heißt das Fach, in dem ich meine erste Klausur auf Italienisch schreiben werde (mal abgesehen von den Klausuren im Rahmen meiner Italienischkurse in Erfurt). Ich bin schon einigermaßen gespannt, auf welchem Niveau sich der ganze Spaß abspielen wird und ob der (erhoffte) Erasmus-Bonus ausreicht, um von den italienischen Kommilitonen nicht vollends abgehängt zu werden. Also: Ich mache mich dann mal wieder auf den Weg zum Schreibtisch…