So, nun ist mein kleines Intermezzo in Köln auch schon wieder vorüber, denn seit heute Mittag bin ich wieder in Rom. Wie angekündigt nun noch ein kleiner Rückblick auf die sieben Tage in Deutschland.
Donnerstag, 12.11.09
Am Donnerstagabend haben wir uns von Studenten der Universität Köln kulinarisch verwöhnen lassen. Einmal im Jahr kochen dort nämlich Studierende für Studierende – und zwar Gerichte und Spezialitäten aus aller Herren Länder. Bulgarischer Salat, sehr besonders schmeckende Bananen aus Ghana, Suppen aus China und Bratkartoffeln mit Rührei und Sauergurke aus Schweden. Und das sind nur Einige der angebotenen Spezialitäten. Für schlappe fünf Euro bekommt man die Fahrkarte ins Schlaraffenland (All-you-can-eat) . Leider ist mein Magenvolumen nicht ausreichend gewesen, um alle Gerichte probieren zu können. Aber daraus ergibt sich nur ein logischer Schluss: Nächstes Jahr muss ich dort wohl wieder hin…
Freitag, 13.11.09
Plastinierte Menschen, Tiere und Organe. Hört sich zunächst ein wenig ekelig an, ist aber in Wirklichkeit total spannend. Und zu sehen gibt es das alles in der Ausstellung „Körperwelten“, die von Prof. Gunther von Hagens initiiert wurde und momentan in Köln zu sehen ist. Obwohl Janina und ich beide bereits vor etlichen Jahren in Berlin bzw. Oberhausen als Ausstellungsbesucher die Körperwelten erkundet haben, sind wir am Freitagnachmittag erneut in das Innenleben von Mensch und Tier abgetaucht. Angewidert von Raucherlungen und Leberschäden, fasziniert von der Farbe und Komplexität des Blutgefäßsystems. Zu unserer Enttäuschung mussten wir jedoch feststellen, dass sehr viele Plastinate nicht den Weg nach Köln gefunden haben. So fehlten z.B. der Gorilla (der eigentlich seit 2009 „neu im Programm“ ist) oder die aus drei Personen bestehende Pokerrunde (bekannt aus dem James Bond-Film „Casino Royale“). Gewissermaßen als Entschädigung sollte dann wohl die Darstellung des Liebesaktes dienen, die seit Neuestem in einem abgetrennten Raum zu sehen ist. Mich hat jedoch weniger das eigentliche Plastinat beeindruckt, als vielmehr der Begleittext: Bereits zu Beginn der 1990er Jahre haben sich Paare für wissenschaftliche Zwecke zum Geschlechtsverkehr in einen Computertomographen sperren lassen. Da kann ich nur sagen: Respekt! Ich habe einmal (wohlgemerkt alleine) in einer solchen Röhre gelegen und muss sagen, dass ich mich alleine schon ziemlich eingeengt gefühlt habe. Mein persönliches Ausstellungshighlight war eine Giraffe, deren Halswirbel wirklich verdammt groß sind und deren Herz rund 10 Kilo wiegt und so groß ist, wie ein großer Sack Kartoffeln.
Samstag, 14.11.09
Am Samstag haben wir mit Janinas Mitbewohnerin und ihrem Freund Sushi gemacht und Doppelkopf gespielt. Der Ein oder andere mag sich fragen, wie zwei Aktivitäten einen ganzen Tag ausfüllen können, aber das ist rasch erklärt: Die Zubereitung von Sushi dauert einfach verdammt lange. Zunächst wird der Reis Ewigkeiten gewaschen, gekocht, gewürzt, gefächert und abgekühlt. Dann müssen alle Zutaten für die Füllung (Avocado, Möhre, Gurke, Surimi, Lachs, Thunfisch,…) fein säuberlich geschnitten werden. Und als krönender Abschluss folgt das Einrollen von Reis und Füllung in den Seetang (zumindest im Falle von Maki-Sushi). Alles in Allem ein zeitaufwendiges Unterfangen, aber der Genuss hinterher entschädigt für Einiges. Nachdem wir uns also kugelrund gegessen hatten wurden die Karten gezückt, um bis in die Morgenstunden DoKo zu kloppen.
Sonntag, 15.11.09
Ausschlafen, ausspannen und Kaffee trinken. Ich gebe zu, dass klingt nicht nach einem Knochenjob, aber ich habe von höchster Stelle erfahren, dass man am siebten Tag der Woche auch mal ruhen kann.
Montag, 16.11.09
Für mich ging die Woche im Grunde genauso los, wie die Letzte aufgehört hatte: Ganz entspannt. Janina musste allerdings für die Uni arbeiten, sodass ich eine Menge Zeit hatte, mal wieder die Vorzüge einer DSL-Flatrate kennenzulernen (an dieser Stelle verweise ich darauf, dass nahezu jeder dieser Beiträge in mühsamer Handarbeit und via UMTS-Stick mit unterirdischer Geschwindigkeit entsteht).
Dienstag, 17.11.09
Nach nahezu viereinhalb Monaten ohne deutsche Vorlesung wurde es mal wieder Zeit für eine Uni-Veranstaltung, bei der man (zumindest sprachlich) alles versteht. Daher bin ich mit Janina zusammen zu einer Linguistik-Vorlesung gegangen. Thema: „Didaktik des Satzlesens“. Es ist schon abgefahren, wie man die Sprache zerpflücken kann. So habe ich beispielsweise gelernt, dass die Unterscheidung von groß- und kleingeschriebenen Wörtern in Deutschland ein echter Segen ist, da nur diese orthographische Feinheit ein schnelles und zielgerichtetes Lesen ermöglicht, weil „nominale Gruppen“ so schneller erkannt werden. Und dieser Vorteil ist wesentlich größer als eine mögliche Vereinfachung des Schreibens im Falle einer „gemäßigten Kleinschreibung“ (bei der mit Ausnahme von Satzanfängen und Eigennamen alles kleingeschrieben werden soll, so wie beispielsweise im Englischen).
Zum Abschluss meines Deutschland-Aufenthaltes haben wir uns abends noch ein Konzert von Newton Faulkner im „Luxor“ angesehen. Nun ist mein musikalischer Horizont leider ein bisschen beschränkt, sodass ich mein Urteil leider nicht wirklich begründen kann. Aber ich glaube, dass ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehne, wenn ich sage, dass Newton Faulkner ein wirklich sympathischer Gitarrenvirtuose und begnadeter Sänger ist. Der Typ ist 24 Jahre alt, kommt aus Großbritannien und stellt unglaubliche Dinge mit seinen Gitarren an. So verzichtet er beispielsweise auf eine Band und ersetzt das Schlagzeug durch entsprechendes Klopfen, Hämmern, Kratzen und Schaben auf seinem Instrument. Und wenn das nicht reicht spielt er auf einem selbst konstruierten Gerät mit den Füßen eine Art Orgel (netterweise werden seine Fußbewegungen im Hintergrund auf eine Leinwand projiziert). Darüber hinaus ist er auch ein humorvoller Entertainer, der sofort den Draht zum Publikum findet. Ein Konzertbesuch lohnt sich auf jeden Fall!
Hier geht es zum Youtube-Channel von Newton Faulkner (Hörproben), und hier geht es zu seiner offiziellen Internetseite.
Mittwoch, 18.11.09
Um sieben Uhr aufstehen, um Viertel nach acht in die S-Bahn, dann in den Regionalexpress, Check-In und um 10.15h mit dem Flieger Richtung Süden. So kurz und knapp können meine letzten Stunden in Good Old Germany beschrieben werden. Und um ehrlich zu sein habe ich im Zustand hoffnungsloser Übermüdung auch nicht vielmehr mitbekommen.
Tja, das war es dann auch schon. Damit ist das Kapitel Heimatbesuch bis Weihnachten auch erst einmal abgeschlossen. Auch irgendwie ein bisschen schade.